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CDU Extertal Neujahrsempfang
Vom: 14.01.2015

„Numerus Clausus weg – die medizinische Fakultät OWL her“.

Deutliche Worte sprach Ärztekammer Westfalen-Lippe Vorstandsmitglied Prof. Dr. med. Dietrich Paravicini am Montagabend vor 220 Gästen auf dem Neujahrsempfang der CDU Extertal in Extertal-Almena. Sein Thema war das „Dauerbrenner-Problem“: die ärztliche Versorgung im ländlichen Bereich. Neben Daten, Fakten und Zahlen lieferte der schlagfertig und humorvoll referierende Mediziner auch Lösungsansätze.

Paravicini, Dietrich

Fachgespräch unter Medizinern: Referent Prof. Dr. Dietrich Paravicini (li., Vorstandsmitglied der Ärztekammer Westfalen-Lippe) im Gespräch mit CDU Extertal-Mitglied Dr. med. Hermann J. Paulus (Chefarzt der Oberbergklinik Weserbergland in Extertal-Laßbruch).

Mit der Auswahl des Gastreferenten Paravicini und des Themas war es der CDU Extertal gelungen, ihren Neujahrsempfang wieder einmal zu dem zu machen, was er seit Entstehung vor zwölf Jahren ist: eine Plattform für Informationen, Gespräche und Meinungsaustausch. Nach bewusst kurz und knapp gehaltener Begrüßung der Gäste durch den CDU-Gemeindeverbands-Vorsitzenden Tobias Hopf und dem geistlichen Wort zum Abend von Präses Michael Stadermann, der die aktuelle Migranten-Problematik aufnahm, ging es „in medias res“ mit dem abendfüllenden Vortrag Paravicinis.

Geboren in Freiburg/Breisgau mit Studium dort sowie in Göttingen und Wien, anschließender Weiterbildung in Anästhesie leitete Paravicini bis 2010 als seinerzeit einer der jüngsten Chefärzte Deutschlands das Klinikum in Gütersloh. Während seiner umfassenden Ausbildung lernte er alle Schlüsselpositionen der medizinischen Versorgung kennen – vom Rettungswesen bis hin zur Intensivmedizin. Anhand umfangreicher Statistiken machte er die „Knackpunkte“ des drohenden Ärztemangels deutlich: die Überalterung der niedergelassenen Ärzte, der hohe Anteil weiblicher Medizinstudenten mit Wunsch nach Familiengründung und Teilzeitarbeitsplatz, die hohen Kosten eines Studienplatzes, die Abwanderung qualifizierter Mediziner ins vorzugsweise skandinavische Ausland, der hohe Anteil ausländischer Ärzte mit zu überwindenden Sprachbarrieren sowie Abzug dieser medizinischen Ressource im Ursprungsland.

Die Probleme sind bekannt. Die Lösungsansätze dazu lieferte Paravicini mit deutlichen Worten. Neben Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität einer Landpraxis wie Sponsoring von Grundstück oder Praxisgebäude seitens der Gemeinde sowie die bereits aufgehobene Residenzpflicht für Ärzte mit der Möglichkeiten freierer Wohnortwahl wünschte sich Paravicini vor allem eines: mehr Studenten. Statt eines Numerus Clausus-beschränkten Studienplatzzugangs, der dafür sorge, dass auf einen Studienplatz zehn Bewerber kommen, favorisiert der Mediziner den „motivationsbezogenen Studienzugang“. Zudem sei, so Paravicini Ostwestfalen-Lippe „ein weißer Fleck“ auf der Landkarte in Sachen medizinische Fakultät. Wolle die Region den „Klebeeffekt“ - das nachgewiesen bevorzugte Ansiedeln ausgebildeter Mediziner im Umkreis von maximal achtzig Kilometern vom Studienort - nutzen, muss eine Studienmöglichkeit in der Region geschaffen werden. „Aber die Medizinausbildung obliegt dem Land. Ein Studienplatz kostet rund 245.000 Euro - und NRW ist leider ziemlich pleite“, so Paravicini. So resultierte aus den jahrelangen Bestrebungen der Region um eine medizinische Fakultät in Bielefeld nur eine „Notlösung“, die CDU-Landtagsmitglied Walter Kern im Anschluss vorstellte. „Es ist eine Außenstelle der Ruhr-Universität Bochum mit sechzig Studenten im klinischen Teil, die hoffentlich auch in Lippe und nicht nur in Bielefeld landen“, verdeutlichte Landrat Friedel Heuwinkel, der das Klinikum Lippe mit seinen Fachärzten als gut aufgestellt für sowohl die Patientenversorgung als auch die medizinische Fachausbildung sieht.

Einen Teil der Lösungsansätze hat der Kreis Lippe bereits umgesetzt, wie Landrat Friedel Heuwinkel im Anschluss erläuterte. So wird dem hohen Anteil ausländischer Ärzte – in Detmold sind das sechzig Prozent – mit Sprachkursen das Überwinden der Sprachbarriere erleichtert. Dem Wunsch nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie kommt das Klinikum Lippe mit einer eigenen Kindertagesstätte nach, „bei der wir aktuell angesichts der Schichtarbeit der Mediziner über eine Rund-um-die-Uhr-Öffnung nachdenken“, so Heuwinkel. Der Scheu vor dem finanziellen Risiko einer eigenen Praxiseröffnung begegnet der Kreis Lippe mit dem Modell der Anstellung im Klinikum mit einer halben Stelle in einer Landarztpraxis. Heuwinkel abschließend: „Die Instrumente für eine gute medizinische Versorgung auf dem Land sind durchaus vorhanden, wenn man die Krankenhäuser mit einbezieht“.

Heuwinkel, Friedel und Hilker, Ulrich

Per Handschlag abgemacht: Extertal bewirbt sich als Pilotkommune für das Konzept Lippe 2025.
Im Foto: CDU Extertal-Bürgermeisterkandidat Ulrich Hilker (re.) mit Landrat Friedel Heuwinkel.

Zum Abschluss gab es weitere Zukunftsausblicke. CDU-Bürgermeisterkandidat Ulrich Hilker stellte seine Ideen für das Extertal vor und bewarb sich bei Landrat Friedel Heuwinkel als „Pilotkommune“ für das Entwicklungskonzept „Lippe 2025“. Wichtig sind Hilker zum einen Bürgernähe und Transparenz in der Lokalpolitik sowie Kosteneinsparungen durch interkommunale Zusammenarbeit und das Nutzen von Synergien mit dem Kreis Lippe. Am Beispiel der Bauhöfe machte Hilker deutlich: „Wir müssen durch das Zusammenfassen mehrerer Bauhöfe größere Einheiten mit höheren Fallzahlen schaffen“. Beim gemeinsamen Standesamtsbezirk Nordlippe wurde diese überregionale Zusammenarbeit bereits erfolgreich umgesetzt. Hilker: „Die Dienstleistungen müssen dem Bürger weiterhin zur Verfügung stehen. Aber welches Backoffice sie erledigt, ist zweitrangig“.

CDU Extertal Neujahrsempfang 2015
Gastgeber und Referenten des CDU Extertal Neujahrsempfangs: (v.li.) Tobias Hopf (CDU Extertal-Gemeindeverbandsvorsitzender), Ulrich Hilker (CDU Extertal-Fraktionsvorsitzender und Bürgermeisterkandidat), Referent Prof. Dr. Dietrich Paravicini (Vorstandsmitglied der Ärztekammer Westfalen-Lippe), Dr. med. Hermann J. Paulus (CDU Extertal-sachkundiger Bürger), Kerstin Vieregge (CDU-Kreisvorsitzende und stellvertretende Landrätin), Walter Kern (CDU-Landtagsmitglied)
und Friedel Heuwinkel (Landrat).

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