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Bundesvorsitzender der Mittelstandsvereinigung Carsten Linnemann beim Unternehmerfrühstück der CDU Augustdorf
Vom: 29.06.2015

Klartext von Carsten

Er ist jung. Er ist dynamisch. Manchmal schwimmt er gegen den Strom – wie am Vorabend in der Maybrit Illner-Talkshow. Aber immer hat er das Ohr am Unternehmer. Carsten Linnemann, Bundestagsabgeordneter und seit 1,5 Jahren Vorsitzender der Bundesvereinigung des Mittelstands war am Freitagmorgen zu Gast bei einem Revival. Nach Jahren hat der CDU- Gemeindeverband Augustdorf das „Unternehmer-Frühstück“ wieder aufgelegt, im Zuge dessen örtliche Unternehmen ihre Sorgen und Nöte direkt bei  Politik und Verwaltung anbringen können.

Carsten Linnemann
Spricht Klartext: der Bundesvorsitzende der Mittelstandsvereinigung Carsten Linnemann

Mit Gastredner Carsten Linnemann war neben der örtlichen Politik, vertreten durch Augustdorfs CDU-Bürgermeisterkandidaten Dr. Andreas Wulf sowie der Kreispolitik vertreten durch Landrat Friedel Heuwinkel und dem Kreisvorsitzenden der Lippischen Mittelstandsvereinigung Uwe Vieregge auch die Bundespolitik dabei. Dr. Andreas Wulf über den Gastredner: „Carsten Linnemann ist ein Freund unserer Gemeinde und ich schätze ihn sehr, weil er nicht immer die Mehrheitslinie vertritt, sondern nach eigener Aussage Spaß daran habe Menschen auch dann zu überzeugen, wenn er nicht die Meinung der Mehrheit vertritt“.

Linnemann (38), Sohn eines Paderborner Buchhändlers, kennt die Sorgen und Nöte eines familiengeführten Unternehmens – und genau so will er den Mittelstand definiert wissen und nicht anhand von Umsatzgrößen. Linnemann: „In Deutschland gibt es rund 8000 familiengeführte Unternehmen, die zu einem  nicht unerheblichen Teil in ihrer Branche Weltmarktspitze sind. Sie sind regional ansässig, vor Ort aktiv und unterliegen dort der sozialen Kontrolle“.

Für und im Namen dieser Unternehmen wünscht sich Linnemann drei Dinge: Förderung der Leistungsbereitschaft auf Arbeitnehmerseite, Planungssicherheit auf Unternehmerseite und Zukunftsperspektiven für beide.

Die Leistungsbereitschafts-Bremse schlechthin definierte Linnemann in zwei Worten „kalte Progression“. Wenn durch Steuerabgaben Mehrleistung nicht mehr lukrativ sei, bleibe Leistungsbereitschaft auf der Strecke. Der heruntergesetzte Spitzensteuersatz mache zwei Drittel der Gesellschaft, die darunter fallen, zur – so Linnemann – „schweigenden Mehrheit, der die Hälfte ihrer Einkünfte wegbesteuert wird“. Auch zum Soli (Solidaritätszuschlag), der 2019 ausläuft, hat der Politiker eine klare Meinung: „Wir sollten uns nicht Gedanken darüber machen, wie der zukünftig aussieht, sondern wie der Staat effizienter wirtschaftet, damit der Soli überflüssig wird“.

Planungssicherheit für Unternehmen in Deutschland – dafür vergibt Linnemann die Note „mangelhaft“: „Allein die Ankündigung von Anti-Stress-, Betriebssicherungs- oder Arbeitsstätten-Verordnungen ist desaströs“. Landrat Friedel Heuwinkel bestätigte, dass Auflagen für „Daheim-Arbeitsplätze“, die insbesondere Frauen den Anschluss an das Berufsleben gewährleisteten, diese um dreißig Prozent gegenüber einem Arbeitsplatz vor Ort in der Verwaltung verteuere. Anforderungen an einen Heim-Arbeitsplatz wie Blendfreiheit durch Sonnenlicht, Vorschriften zum Bürostuhl und Arbeitstisch müssten nicht nur umgesetzt, sondern auch kontrolliert und dokumentiert werden.

Ingelore Kleine
Rege Diskussion zum Thema "Mindestlohn": Ingelore Kleine, Busunternehmerin aus Augustdorf

Mindestlohn – das war auch das „Reizwort“ des CDU-Unternehmerfrühstücks, denn die Umsetzung des Gesetzes bedeute für Unternehmen „höchste Bürokratie und Rechtsunsicherheit“, so Linnemann. Das macht auch der örtlichen Busunternehmerin Ingelore Kleine Sorge und Michael Dobbe von Teuto-Glas fragt sich das, was Carsten Linnemann so formuliert: „Wie soll ein Handwerksbetrieb die Durchsetzung des Gesetzes bei seinen Sub-Unternehmen sicherstellen?“ Linnemann sieht daher „dringenden Überarbeitungsbedarf bei diesem derzeit wichtigsten Thema in der Wirtschaft“ und bot als Lösung eine Beweislast hin zu „grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz seitens des Unternehmers“ bei der Vergabe an Sub-Unternehmen an.

Linnemanns Stichwort zum Thema Zukunft, der Zeit nach der Erwerbstätigkeit, ist die von ihm favorisierte „Flexi-Rente“ statt der Rente mit 63. Mit Letzerem wolle man die Erwerbsgeminderten schützen, die ihrer körperlich anstrengenden Tätigkeit im fortgeschrittenen Alter aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nachkommen könnten. „Aber genau diese 1,7 Millionen Erwerbsgeminderten, die unsere volle Solidarität verdienen, unterstützen wir damit nicht“, so Linnemann. Ein Unding ist für ihn auch die Tatsache, dass ein Unternehmen für einen Pensionär, der freiwillig weiter arbeiten möchte Arbeitslosen- und Rentenbeiträge abführen müsse. Linnemann: „Dieser Arbeitnehmer wird nicht mehr arbeitslos und die Rentenbeiträge kommen bei den Rentnern nicht an“.

Gleichzeitig warnt Linnemann vor einem „Abschied von der Industrie“, wie ihn Frankreich vorgenommen habe, das heute bei zehn Prozent Arbeitslosenquote läge. Linnemann: „Die schielen gerade nach dem Industrieland Deutschland, wo die Arbeitslosigkeit von 5,3 Millionen auf unter 3 Millionen gesunken ist“. Ein weiteres Anliegen ist ihm die Stärkung der dualen Ausbildung. Für das Handwerk wünscht sich Linnemann „die Wieder-Einführung des Meisterbriefes in allen 53 Gewerken, in denen er abgeschafft wurde“. Linnemann: „Fliesenleger, Goldschmied gehören dazu. Ein Meisterbrief ist für mich auch Bildungsstandard“.

Im Anschluss an den Vortrag nutzten die örtlichen Unternehmer die Gelegenheit, ihre Sorgen und Wünsche zu äußern. So griff Fensterbauer Werner Wißbrok das Stichwort „Duale Ausbildung“ auf und stellte die provokante Frage, warum eine Ausbildung im Betrieb mit einer Vergütung verknüpft sei, die akademische Ausbildung aber nicht. Wißbrok: „Kein Universitätsprofessor würde seinen Studenten Geld dafür zahlen, dass er sein Wissen an sie weitergibt“. Das Gegenargument von Carsten Linnemann, dass ein Betrieb für das eigene Geschäft ausbilde, wurde von mehreren Unternehmern entkräftet. Dazu Wißbrok: „Kaum ein Lehrling bleibt nach der Lehre im Betrieb. Viele schließen ein Studium an“.

Michael Dobbe, Teuto-Glas, machte auf ein Problem im Bereich der EU-Subventionen aufmerksam, das seiner Meinung nach „eine ganze Industrielandschaft platt macht“. 860.000 Arbeitsplätze hingen in Deutschland an der Fenster- und Glasindustrie. Die Subventionen gingen jedoch ins EU-Mitgliedsland Polen, wo rund fünfzig Prozent Investitionszuschüsse, die nicht rückzahlbar seien sowie rund siebzig Prozent der Lohnkosten bei einer Festanstellung bezuschusst würden. „Eine Firma dort ist innerhalb von zehn Jahren von 50 auf 2.500 Mitarbeiter gewachsen. Das geht nur in einem Subventionskontext“, so Dobbe.

Die Antwort von Carsten Linnemann: „Direktsubventionen an eine Firma sind verboten. Aber bitte schicken Sie mir Unterlagen. Ich kümmere mich persönlich darum“. Rund 1000 Bürgergespräche dieser Art führe er pro Jahr, erklärte Linnemann und riet allen Unternehmern: „Laden Sie Bundestagsabgeordnete – egal welcher Partei - zu Ihnen in den Betrieb ein. Konfrontieren Sie sie mit ihren täglichen Problemen. Die Politik muss wissen, wie Ihr Alltag aussieht, damit sie entsprechend reagieren kann“.

Unternehmerfrühstück Augustdorf

Erinnerungsfoto vor dem Rathaus: (v.li.) Landrat Friedel Heuwinkel, Referent Carsten Linnemann, Dr. Andreas J. Wulf (CDU-Bürgermeisterkandidat), Uwe Vieregge (Vorsitzender Mittelstandsvereinigung Lippe), Frank Salomon (CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender).

Landrat Friedel Heuwinkel stellte im Zusammenhang  den Verein „Chance Ausbildung Lippe“ vor, der gerade kleinen und mittleren Unternehmen Hilfe im bürokratischen Bereich Ausbildung betreffend anbiete.

Ein rundherum positives Feedback der Veranstaltung zog zum Schluss der Gastgeber, der CDU-Gemeindeverband Augustdorf. Vorsitzender Frank Salomon: „Wir haben hier sehr konkrete Gespräche geführt, einen direkten Draht hergestellt und werden das Unternehmerfrühstück zukünftig wieder fest in den Terminplan der CDU Augustdorf aufnehmen“.

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