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Neujahrsempfang der CDU Extertal - Prof. Dr. Frank Brand referiert vor rund 230 Gästen
Vom: 13.01.2016

Die Flüchtlingssituation in Zahlen und Daten

Extertal. Ist die Flüchtlingssituation eine einfache, komplexe oder chaotische Situation? Am Montagabend auf dem Neujahrsempfang der CDU Extertal hielt der Berliner Wirtschaftsmathematiker und Komplexitätsforscher Prof. Dr. Frank Brand einen Vortrag zum Thema „Flüchtlinge in Deutschland“. Vor rund 230 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Vereinsleben referierte der gebürtige Extertaler aus einem „ganz anderen Blickwinkel“, so CDU Gemeindeverbandsvorsitzender Ulrich Hilker.

Brand, Prof. Dr. FrankWirft einen Blick auf Zahlen, Daten und Statistiken zur Flüchtlingssituation:
Prof. Dr. Frank Brand, Wirtschaftsmathematiker aus Berlin

Zahlen, Daten, Fakten – das sind Grundlagen, mit denen Mathematiker und Statistiker arbeiten. Komplexitätsforscher Brand musste im Bezug auf die Flüchtlingssituation – „ich spreche hier bewusst nicht von Problematik oder Flüchtlingswelle“ – feststellen, dass „sichere Daten“ kaum die aktuelle Situation widergeben. „Ich beziehe einige Zahlen aus einem erst vor vier Tagen erschienenen Bericht, der die Situation aus dem Jahr 2014 widergibt“, erklärte Brand und folgerte anhand der Definition einer komplexen Situation: „Die Flüchtlingssituation ist komplex und in Teilen chaotisch. Einfache Lösungen verbieten sich“.

Neben dem Blick auf die Zu- und Abwanderungszahlen der letzten zwei Jahrzehnte, dem Anteil der Zuwanderung an der Gesamtbevölkerungszahl, dem Blick auf die Zahl der Menschen, die zuwandern um zu arbeiten oder eine wissenschaftliche Ausbildung zu beginnen, verdeutlichte Brand anhand einer sehr ungewöhnlichen Zahl seine Einschätzung der Lage: „Es ist festzustellen, dass die Zahl der Gesetzesverabschiedungen in den letzten Jahren dramatisch angestiegen ist. Das lässt Komplexitätsforscher hellhörig werden, denn es könnte bedeuten, dass eine Situation aus dem Ruder zu laufen droht“.

Die von CSU-Chef Seehofer angemahnte Obergrenze für die Flüchtlingsaufnahme war ebenfalls Thema des Vortrags. Die wissenschaftlich-emotionslose Feststellung des Mathematikers: „Alle Systeme sowohl in der Ökonomie als auch in der Biologie haben eine Kapazitätsgrenze“. Diese zu definieren sei das Problem. Hierzu bemühte der Wissenschaftler wiederum den vergleichenden Blick über Landesgrenzen. Während Schweden bei 1,9 Prozent Zuwanderung im Verhältnis zur Ursprungsbevölkerung liege, seien im Libanon 25 Prozent und in Jordanien 10 Prozent zu verzeichnen. „Ich bin regelmäßig in Kolumbien tätig. Dort gibt es zahlreiche Binnenflüchtlinge. Zehn Prozent der Menschen dort sind nicht an dem Ort, an dem sie eigentlich sein möchten“. 

Ein Vergleich mit den Zuwanderungszahlen nach Deutschland der Jahre 1991 bis 2014 mache, so Brand, deutlich, dass „es in jedem dieser Jahre eine Bewegung von 2,2 Millionen Menschen gegeben hat, die zu- oder abwanderten“. 1990 seien rund 400.000 Aussiedler aus Ostländern gekommen. „Damals haben wir von einem Problem nichts wahrgenommen. Bis dahin gab es also eine gute Integration“, so Brand.

In der abschließenden persönlichen Einschätzung machte der Wissenschaftler den Unterschied zur heutigen Flüchtlingssituation deutlich: „Wir haben mit geschätzten 25.000 bis 50.000 nicht registrierten Menschen, die sich im Land aufhalten, eine unsichere Datenlage“. Brand plädierte für eine offene Diskussionskultur und die Thematisierung der Frage: Sind wir ein Einwanderungsland und können andere Einwanderungsländer ein Vorbild sein? Dazu Brand: „Kanada als klassisches Einwanderungsland gestaltet sehr aktiv, wer im Land aufgenommen wird“.

Neujahrsempfang CDU Extertal 2016

Referenten und Gastgeber des CDU Extertal Neujahrsempfangs:
(v.li.) Maik Schlicht (CDU Fraktionsvorsitzender), Kerstin Vieregge (CDU-Kreisvorsitzende und stellvertretende Landrätin), Referent Prof. Dr. Frank Brand (Wirtschaftsmathematiker), Bürgermeisterin Monika Rehmert, Pfarrer Michael Stadermann und Ulrich Hilker (CDU Gemeindeverbandsvorsitzender).

CDU Gemeindeverbandsvorsitzender Ulrich Hilker erklärte in seinem Fazit des Vortrags: „Ich habe verstanden, dass die Lage komplex, in Teilen chaotisch und damit nicht so einfach zu lösen ist. Wichtig ist die korrekte Registrierung der Menschen. Da müssen wir noch Hausaufgaben machen. Klar ist auf der anderen Seite aber auch: unsere Bevölkerung wird schrumpfen und auf lange Sicht werden qualifizierte Arbeitskräfte fehlen“.

 


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