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Lippische Kreisvorsitzende Kerstin Vieregge bei der Sparkasse Lemgo
Vom: 27.07.2016

Gespräch über Zukunft des Bargeldes, Banken-Infrastruktur in Lippe und Brexit

ViereggeDabrock

Kerstin Vieregge, Kreisvorsitzende der CDU Lippe (li.), sprach mit Bernd Dabrock,
Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Lemgo (re.),
über die Auswirkung aktueller Entwicklungen auf Lippe.

Zahlungsverkehr und  Bargeld

Die Digitalisierung hat in den letzten Jahren große Schritte gemacht. Beleghafte Überweisungen werden immer weniger. 93 Prozent aller Überweisungen wurden in 2015 bei der Sparkasse Lemgo digital in Auftrag gegeben. Beachte man beim Online-Banking die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen, so sei dieses sicher. Trotz des Trends zum Online-Banking schätzen Kunden insbesondere den persönlichen Ansprechpartner und die Beratung, z. B. bei einer Immobilien-Finanzierung oder einer Vermögensanlage. Die Ansprechpartner vor Ort wolle und werde man erhalten.

Neben der Digitalisierung schwören die Lipper weiter auf Bargeld, das bei Geschäften unter 50 Euro nach wie vor das beliebteste Zahlungsmittel ist. Eine Tendenz hin zu rein elektronischem Zahlungsverkehr, wie beispielsweise in Skandinavien, ist in Lippe nicht feststellbar. Im Gegenteil: Über 50 Prozent der Geschäfte im Einzelhandel werden nach wie vor bar getätigt. Zwischen 2010 und 2015 stiegen die Barabhebungen an Geldautomaten, insbesondere an den hochfrequentierten Standorten, leicht an. Nicht zuletzt würden auch die Schwächeren einer Gesellschaft darunter leiden, wenn keine spontanen Bargeldspenden mehr möglich sind. Bundesweit kommen jedes Jahr Millionensummen zusammen, auf die viele Hilfsbedürftige, aber auch Hilfsorganisationen und soziale Projekte angewiesen sind, wie z. B. die Kriegsgräberfürsorge.

Nach der beschlossenen Abschaffung des 500 Euro-Scheins, wird in Deutschland seit einigen Monaten auch eine mögliche Bargeld-Obergrenze diskutiert (Rechnungen über mehr als 5.000 Euro sollen dann zum Beispiel nicht mehr in bar beglichen werden dürfen). In einigen europäischen Ländern wie Frankreich oder Italien ist dies bereits die Praxis. Glaubt man Experten, würde eine Obergrenze aber Aktivitäten in Sachen Terrorismus, Geldwäsche, Kriminalität oder Schwarzarbeit nicht wirksam verringern. Dabrock betonte: „Bargeld bedeutet für die Menschen Freiheit und Unabhängigkeit. Deshalb möchten die Menschen auch weiterhin mit Bargeld zahlen.“

Zinsentwicklung und Entwicklungen in der Sparkassenlandschaft

Das Thema Bargeld erhalte auch durch die anhaltende Niedrigzinsphase eine erhöhte Aufmerksamkeit. So befürchten Experten, dass durch den Wegfall des Bargelds leichter Negativzinsen durchgesetzt werden könnten. Kürzlich habe sich ein großer Versicherer mit einem besonderen Szenario beschäftigt: Größere Bargeldsummen könnten eingelagert werden, um die Zahlung von Negativzinsen für die Anlage des Geldes zu vermeiden. Dabrock bezweifelt jedoch, dass dies ein geeignetes Instrument sein könnte.

Auf Nachfrage von Vieregge betonte Dabrock, dass die Negativzins-Politik der EZB auf Dauer das Geschäftsmodell von Sparkassen und genossenschaftlichen Banken herausfordere. Dieses Modell sei in der EU einzig in Deutschland und Österreich verbreitet. Sparkassen und genossenschaftliche Banken seien auf die Sparer und die mittelständische Wirtschaft vor Ort orientiert, während in anderen Ländern stärker auf Großunternehmen orientierte Großbanken ohne lokalen Bezug vorherrschten.

Sollte an der Negativzinspolitik festgehalten werden, so gehe die Kreditwirtschaft schwierigen Zeiten entgegen – auch mit Folgen für die private Altersvorsorge. Für die florierende deutsche Wirtschaft seien die niedrigen Zinssätze kein zusätzlicher Anreiz und in den südeuropäischen Ländern verfehlten sie ebenfalls ihre Wirkung. Dabrock ergänzte: „Es muss eine Umkehr geben.“ Auf Vieregges Frage nach der Lage der Sparkasse Lemgo in zehn Jahren antwortete Dabrock, entscheidend sei, welche Dienste der Kunde am meisten nachfrage. Die Tendenz gehe zu einer Verstärkung der Beratung in den Bereichen Wohnungsbaufinanzierung, Firmenkundengeschäft sowie – als Folge der Niedrigzinspolitik – einem Ausbau des Wertpapiergeschäfts. Für Standardgeschäfte würden Online-Überweisungen und „Apps“ die Norm.

Auswirkungen des Brexit

Die lippischen Unternehmen erwarten Konsequenzen durch den bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Die Industrie und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe) hatte hierzu in einer Blitzumfrage ein Meinungsbild der international ausgerichteten Betriebe eingeholt. Das Ergebnis: 22 Prozent rechnen mit einem Rückgang der Exporte nach Großbritannien während der Austrittsverhandlung in den nächsten zwei Jahren. Fast doppelt so viele (43,5 Prozent) befürchten einen Einbruch der Exporte in den nächsten drei bis fünf Jahren. Dabrock betonte: „Die Verunsicherung in der Wirtschaft ist derzeit spürbar. Das Schlimmste wäre eine lange Phase der Unsicherheit. Die Unternehmen brauchen möglichst schnell Klarheit. Ich gehe davon aus, dass die EU-Kommission und Großbritannien vernünftige Lösungen finden werden.“

 

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