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Diskussion zum Thema Landwirtschaft mit MdL Christina Schulze Föcking
Vom: 17.08.2016

Quo vadis Landwirtschaft?

Milchpreis-Dumping, Schweineschnitzel als Billigware, der Glyphosat-Streit – Landwirte haben heutzutage das Gefühl, im Auge des Hurrikans zu leben und zu arbeiten. Wie sieht die Zukunft in der Landwirtschaft aus und wie verlässlich ist die Politik in ihren Aussagen zur landwirtschaftlichen Erzeugung? Zu diesem Thema sprach auf Einladung der CDU Lippe die Landwirtin und CDU Landtagsabgeordnete Christina Schulze Föcking im Landhaus Begatal in Dörentrup. Sie sah sich zahlreichen, fachkundigen Zuhörern gegenüber.

Schulze Föcking 2016 Portrait

Sprach auf Einladung der CDU Lippe über die Zukunft der Landwirtschaft:
Christina Schulze Föcking (MdL und Landwirtin aus dem Münsterland).

Die aus dem Münsterland stammende Politikerin, die daheim mit ihrer Familie einen Schweinemastbetrieb bewirtschaftet, „packte“ in ihrem Vortrag alle Themen an, die Landwirte derzeit nicht nur bewegen, sondern zum Teil bis ins Mark erschüttern und in ihrer Existenz bedrohen. Das Thema Boden, ohne den Landwirtschaft nicht möglich ist, stellte Schulze Föcking an den Beginn ihres Vortrags. Kritisch sieht sie die Entwicklung, dass Investoren ohne regionale Wurzeln im Agrarbereich hektarweise Land aufkaufen und die regionalen Landwirte zudem noch von einer weiteren Institution „überboten“ würden: dem Naturschutz mit dem rot-grünen Landesnaturschutzgesetz. Naturschutz mit Vorkaufsrecht vor Landwirtschaft – das ist für die Politikerin ein Unding. Schulze Föcking fordert „Freiwillige Verbindlichkeit statt Zwangsenteignung“.

Das angesichts der stetig steigenden Zahl der Vegetarier für den Verbraucher immer wichtiger werdende Thema „Tierhaltung“ war sowohl Gegenstand des Vortrags als auch der anschließenden regen Diskussion. Beim Thema „kurative Eingriffe“ wie das umstrittene Schwänzekürzen bei Schweinen, das – so Schulze Föcking – schmerzfrei für das Tier in der Knorpelmasse vorgenommen würde, wünscht sich die Politikerin, dass „wir keiner Polemik hinterherlaufen, sondern auch wissenschaftlich weiter Erkenntnisse sammeln. Ziel muss sein, die Landwirte nicht alleine zu lassen, sondern gemeinsam Lösungen zu entwickeln.“. Bio und konventionell erzeugte Lebensmittel bieten dem Verbraucher die Möglichkeit, über sein Marktverhalten bewusst gesunde Erzeugnisse zu kaufen.

Schulze Föcking, Kern, Vieregge, Zertik

Diskussion über die Zukunft der Landwirtschaft: (v. links) Heinrich Zertik (MdB), Christina Schulze Föcking, Walter Kern (MdL) und Uwe Vieregge (Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung Lippe).

Die von Einzelhandel, Landwirten und dem Tierschutz ins Leben gerufene „Initiative Tierwohl“ spricht Schulze Föcking aus der Sicht der Landwirte an: „Was kommt vom höheren Verkaufspreis an der Basis an?“ Eine ungleiche Verteilung sieht sie auch bei der derzeit für viele, vor allem mittlere und kleine Betriebe lebensbedrohlichen Situation des Milchpreisverfalls nach Abschaffung der Milchquote. „Das Risiko bei der Milchsoforthilfe liegt darin, dass möglicherweise nicht ausschließlich die Betriebe davon profitieren, die solche Hilfen auch brauchen“, erklärte auch ein als Milchviehbetriebsberater tätiger Zuhörer. Dazu Schulze Föcking: „Wir brauchen einen Runden Tisch mit Landwirten, Molkereien und dem Handel sowie eine Vermarktungsplattform für Milch, von der aus Landwirte direkt an Lebensmittelketten verkaufen können“. Zur seitens der Zuhörer angesprochenen Turbo-Milchleistung der Kühe erklärte Schulze Föcking: „Ein moderner Boxenlaufstall bietet heute mehr Komfort als die frühere Anbindehaltung. Das ist beispielsweise ein Zeichen dafür, dass sich vieles in der Landwirtschaft zum Tierwohl entwickelt“.

Schule – als ein Ort, wo Verständnis für den Wert von Lebensmitteln geweckt und die Grundlage für zukünftiges Verbraucherverhalten gelegt wird, war ein weiteres großes Thema des Vortrags. Damit sprach Schulze Föcking nicht nur der Vorsitzenden der Lippischen Landfrauen, Ingeborg Slawik-Stuckmann aus der Seele, die betonte, dass gut geschulte Frauen in den eigenen Reihen für die Unterrichtserteilung zur Verfügung stünden, aber „nicht für einen warmen Händedruck als Entlohnung“. Auch eine langjährig als Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft in der Ausbildung tätige Zuhörerin pflichtete der Politikerin bei und fragte sich mit ihr, was aus der bereits vor Jahren gemeinsam parteiübergreifend beschlossenen Verbraucherbildung und den dafür eingerichteten Geldern geworden ist. Schulze Föcking: „Das skurillste Projekt ist für mich die Fahrradwerkstatt mit veganer Kochgruppe“.

Deutlich sprach die Politikerin den Generalverdacht gegen Landwirte beim Thema Glyphosat-Einsatz an: „Es wird suggeriert, dass jeder Bauer ständig dieses Mittel einsetzt. Dem ist nicht so“. Was die angesichts der beschlossenen weiteren Nutzungserlaubnis diskutierte Gefährlichkeit des Spritzmittels betrifft, erklärte Schulze Föcking: „Ich glaube hier dem Bundesamt für Risikobewertung“. Nichts sei in der Landwirtschaft so gut dokumentiert wie der Einsatz von Spritzmitteln und Medikamentengaben bei Tieren. Was sie sich wünschte sei vielmehr „ein Art TÜV für Lebensmittel an den Grenzen, der sicherstellen soll, dass unsere heimischen Landwirte nicht benachteiligt werden“. Andererseits, so betonte sie auf das Freihandelsabkommen TTIP angesprochen: „Freihandelsabkommen haben Deutschland noch nie geschadet. Derzeit weiß ich aber nicht, ob ich dafür oder dagegen die Hand heben sollte, denn dafür ist es nicht transparent genug“.

Zu guter Letzt und nach reger Diskussion sowie Beantwortung aller gestellten Fragen hielt Schulze Föcking ein Plädoyer für die Landwirtschaft und für regionales Eigentum und einer regionalen Bewirtschaftung von Boden und Betrieben. Abschließend erklärte die Politikerin: „Der Beruf des Landwirts ist für mich der schönste der Welt. Landwirtschaft ist Ökonomie und Ökologie zugleich“.

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