Aktuelles

Vom Archäologischen Freilichtmuseum und Naturschutzgroßprojekt zum UR.LAND
Vom: 26.01.2018

Beschlussvorschlag:

  1. Der Landrat wird beauftragt, eine Übernahme des Naturschutzgroßprojektes Senne und Teutoburger Wald durch den Kreis Lippe - nach Möglichkeit bei weiterer finanzieller Unterstützung durch das Land NRW und weiterer Institutionen- ab 01.01.2020 vorzubereiten.
  2. Der Landrat wird beauftragt, Gespräche mit dem Landesverband Lippe über die Übernahme seines Trägeranteils am Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen e.V. zu führen.
  3. Der Landrat wird beauftragt, die Projektskizze "UR.LAND" (Klimaturm/ Wandern/ Tourismus) (siehe Sachdarstellung des Antrages) zu konkretisieren und zur Prüfung auf Förderfähigkeit bei der Bezirksregierung einzureichen und weitere Fördermöglichkeiten zu prüfen.
  4. Der Landrat wird beauftragt, Gespräche mit der Stadt Oerlinghausen zu führen, mit dem Ziel, die museale Arbeit im Rahmen des Projektes "UR.LAND" unter weiterer finanzieller Förderung durch die Stadt Oerlinghausen und anderer Institutionen fortzuführen. Dabei sind auch regionalwirtschaftliche Effekte und die mögliche Reduzierung der Betriebskosten durch erhöhte Besucherzahlen mit zu betrachten.
  5. Der Landrat wird beauftragt, unter dem Dach "UR.LAND" und der Federführung des Kreises eine Organisationsform zu schaffen, in dem Partner wie die Stadt Oerlinghausen und der heutige Verein Archäologisches Freilichtmuseum e.V. über z.B. Kooperationsvereinbarungen eingebunden werden.
  6. Das Projekt "UR.LAND" ist als Maßnahme in das Zukunftskonzept Lippe 2025 aufgenommen und soll als eines der lippischen Leuchtturmprojekte in den Prozess der REGIONALE 2022 des Landes NRW eingebracht werden.


Sachdarstellung:

Inhalt:

  1. Naturschutzgroßprojekt Senne und Teutoburger Wald
  2. Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen
  3. Klimaturm
  4. Verschmelzung von Freilichtmuseum, Naturschutzgroßprojekt und Klimaturm im "UR.LAND"
  5. Projektgebiet Oerlinghausen und Umgebung
  6. Zielgruppenfokus und Einbindung in regionale Tourismusstrategien
  7. Vorgehen/Zeitplan
  8. Wirtschaftliche Effekte des geplanten Projekts

Anhang: Weitergehende Erläuterungen

1. Naturschutzgroßprojekt Senne und Teutoburger Wald

Mit Hilfe von Naturschutzgroßprojekten des Bundes sollen national bedeutsame Landschaften dauerhaft für den Naturschutz gesichert werden. Die aus bundesweiter Sicht herausragende Besonderheit des Naturschutzgroßprojektes Senne und Teutoburger Wald ist die räumliche Nähe zweier so gegensätzlicher Landschaften. Auf wenigen Metern gelangt man im Projektgebiet von einem bodensauren, eiszeitlich geprägten Tiefland in ein kalk geprägtes Mittelgebirge, von einem traditionell als Heidelandschaft genutztem Gebiet in ein Waldgebiet mit einer langen Forstgeschichte.

Gefördert wird das Projekt vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit zu 70% und vom Land Nordrhein-Westfalen, vertreten durch die Bezirksregierung Detmold, zu 20%. An der Finanzierung des Eigenanteils des Projektträgers beteiligen sich die Nordrhein-Westfalen-Stiftung, der Kreis Lippe sowie die Städte Detmold, Lage, Oerlinghausen und die Gemeinde Augustdorf.

Das Naturschutzgroßprojekt bedarf einer Fortsetzung mit gesicherter Finanzierung. Da der Zweckverband Naturpark dies ausschließt, weil die Mitglieder hier ein rein lippisches Projekt sehen, kommt eine Kooperation des Landes NRW mit dem Kreis Lippe in Betracht, welcher ab 2020 als alleiniger Träger fungieren soll.

Für die Fortführung des Projektes durch den Naturpark sind jährliche Kosten in Höhe von rund 228.000 Euro zu erwarten. Durch Synergieeffekte werden bei Übergang des Projektes auf den Kreis geringere Kosten in Höhe von rund 200.000 Euro postuliert. Nach Abzug der zu erwartenden Projekteinnahmen in Höhe von rund 19.000 Euro verbliebe ein jährlicher Fehlbetrag von rund 181.000 Euro bei Übernahme durch den Kreis - wenn das Projekt mit dem zur Fortführung notwendigen Personal- und Sachkosten gesichert wird.

Ein Unterlassen der Projektfortführung zöge Mittelrückforderungen in Höhe von rund 12 Millionen Euro nach sich. Satzungsgemäß ist es nicht möglich, Kosten für die Fortführung des Naturschutzgroßprojektes aus der allgemeinen Umlage des Zweckverbandes zu bestreiten. Die Bereitschaft zur Kostenübernahme durch andere, am Zweckverband beteiligten Kreise, dieses fast ausschließlich im Kreis Lippe umgesetzten Projektes, ist nicht vorhanden.

Das große Waldweideprojekt hat hier eine der schönsten Landschaften des Teutoburger Waldes entstehen lassen. Hier sorgen urtümliche Highland-Rinder, Senner Pferde und Schafe für eine attraktive offene Sennelandschaft. Die seit Oktober 2011 eingesetzten Schottischen Hochlandrinder haben bereits jetzt - ohne touristische Vermarktung - zu einem Besucherboom geführt.

Bezüglich der Inwertsetzung des Projektes für die Region in Form einer touristischen Vermarktung und Aufwertung für die Naherholung, sind bereits erste Ideen entwickelt worden. Die Inwertsetzung des Projektes für die Region ist dabei als Top-Up zum Naturschutzgroßprojekt zu werten und stellt förderrechtlich ein separates Projekt unter dem Label "UR.LAND" dar.

2. Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen
Das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen (AFM) wurde 1936 von Hans Reinerth an dem zwischen der Senne und dem Teutoburger Wald liegenden bewaldeten Barkhauser Berg als "Germanengehöft" gegründet und ist damit das älteste Freilichtmuseum in Deutschland, welches sich mit der Geschichte der Germanen auseinandersetzt. Es wird von einem Verein betrieben, der heute von der Stadt Oerlinghausen und dem Landesverband Lippe unterstützt wird.

Auf einer Fläche von etwa 1,5 ha werden nach archäologischen Befunden rekonstruierte Anlagen menschlichen Lebens und Wohnens von der Altsteinzeit bis zum Frühmittelalter gezeigt. Zu den Rekonstruktionen gehören unter anderem Lagerplätze eiszeitlicher Rentier Jäger um 10.000 v. Chr, steinzeitliche, bronzezeitliche und eisenzeitliche Wohnstallhäuser.

Seit 1986 ist das Museum bestrebt, in den einzelnen Zeitabschnitten auch die typische natürliche Vegetation und entsprechende Nutzpflanzen anzubauen. Eine kleine Attraktion sind die Rückzüchtungen mittelalterlicher Weideschweine, die in den historischen Bedingungen angepassten Gehegen gehalten werden.

Schwerpunktmäßig ausgerichtet ist das Angebot des Museums auf Kinder und Jugendliche. Entsprechende museumspädagogische Erlebnis- und Aktionsbetreuungen werden angeboten. Für Erwachsene werden vielfältige historische Informationen bereitgehalten. Bekannt ist das AFM Oerlinghausen auch für sein umfangreiches Seminarprogramm, z. B. zu den Themen "Bogenbau" oder "Färben mit Pflanzenfarben" und durch verschiedene Veranstaltungen wie die "Steinzeittage", "Franken und Sachsen", "Römer und Germanen" oder "Die Wikinger kommen".

Trotz seiner erheblichen Unterkapitalisierung hat das Museum einen wichtigen Stellenwert in der Museumslandschaft NRWs.

3. Klimaturm
Das Freilichtmuseum arbeitet an der Realisierung eines weiteren Publikumsmagneten - dem Klimaturm. Dieser könnte Hauptattraktion des künftigen "UR.LANDES" sein. Klimaveränderungen sind ein zentraler Faktor in der Entwicklung der Menschheit. Früher bestimmte das Klima die Landschaft und die Menschheitsgeschichte, heute bestimmt der Mensch die Klimageschichte und Landschaft. Existenziell sind beide Zusammenhänge. Um dies zu vermitteln, plant das Freilichtmuseum Oerlinghausen e. V. einen architektonisch ambitionierten Klimaturm.

Es fällt auf, dass es in Deutschland bisher keinerlei Informationsangebote zur Wechselwirkung von Klimageschichte, Landschaft und menschlicher Entwicklung gibt. Das kommerziell äußerst erfolgreiche Klimahaus in Bremerhaven behandelt ausschließlich die klimatische Situation der Gegenwart. Mit dem hier vorgestellten Projekt eines innovativen Klimaturms zur prähistorischen Entwicklung in Ostwestfalen-Lippe möchte das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen diese umweltpädagogische Lücke füllen, das erlebnistouristische Profil der Region stärken, die überregionale Besucherzahl steigern und dadurch einen spürbaren wirtschaftlichen und bildungspolitischen Mehrwert erzielen. Dabei kommen den anstehenden Veränderungen beim Naturschutzgroßprojekt mit dem Naturpark und den touristischen Aktivitäten im Kreis Lippe mit Wandel zur Qualitätswanderregion eine impulsgebende Rolle zu.

Im Klimaturm werden eine Warm- und eine Eiszeit mit den jeweiligen Temperaturen inszeniert. Für viele werden diese Ziele erst nachvollziehbar, wenn sie die damaligen Temperaturen auch auf der Haut spüren. Zum anderen kann dort für den aktuellen Klimawandel sensibilisiert werden.

Kerngedanke des Klimaturms ist es, den Einfluss des durch die Jahrtausende gewandelten Klimas auf die Geschichte der Menschheit und der Landschaft in spannender Form verständlich zu machen und so die touristische Anziehungskraft des Freilichtmuseums und seiner Umgebung zu erhöhen. So kann etwa im unteren Kassenbereich ausführlich über die angrenzenden Attraktionen - Altstadt Oerlinghausen, Naturschutzgroßprojekt, Wanderregion und Segelflugplatz - informiert werden. Der Klimaturm kann also bei entsprechender Vermarktung ein Schrittmacher für den Gesamttourismus rund um Oerlinghausen werden und die Wertschöpfung im Fremdenverkehr, einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Region, spürbar stärken.

4. Verschmelzung von Freilichtmuseum, Naturschutzgroßprojekt und Klimaturm im "UR.LAND"
Es fällt auf, dass es in Deutschland bisher keinerlei Informationsangebote zur Wechselwirkung von Klimageschichte, Landschaft und menschlicher Entwicklung gibt. Hier bietet der Standort mit den drei Bausteinen Archäologisches Museum, Naturschutzgroßprojekt und Klimaturm eine sensationelle Chance, zumal hier die in den Gebäuden vermittelten Inhalte in der unmittelbar angrenzenden Landschaft des Teutoburger Waldes und der Senne mit dem Naturschutzgroßprojekt und seinen Tieren als Baustein historischer Waldweide und dem Bauten im Archäologischen Museum unmittelbar erlebt bzw. erwandert werden können. Das kognitiv Erfahrene wird durch die anschließende Wanderung in der UR.LANDschaft des Naturschutzgroßprojektes und des Teutoburger Waldes erlebbar. Das Verständnis für die erlebten Zusammenhänge der UR.LANDschaft machen aktuelle Zusammenhänge der modernen Kultur- und Industrielandschaft und der Klimafolgen leichter nachvollziehbar.
Damit hätte das Projekt deutschlandweit einen auch für die touristische Vermarktung wichtigen Alleinstellungscharakter und hebt sich dadurch auch deutlich von den Museumsangeboten in urbanen Räumen ab.

Neben der hohen Bedeutung des "UR.LAND" für die touristische Zukunftssicherung hat das Projekt mit seiner Waldweide die Artenvielfalt und Biodiversität im lippischen Westen schon jetzt deutlich und vielfältig bereichert und ist dauerhaft sicher zu stellen. Viele Besucher sind schon jetzt deshalb vom NGP begeistert. Diese Artenvielfalt und Biodiversität unmittelbar erlebbar zu machen und die Menschen hierfür zu begeistern, ist ein nicht unwichtiges weiteres implementiertes Ziel des "UR.LAND" als Voraussetzung für einen nachhaltigen Umgang der kommenden Generationen nicht nur mit Klima sondern auch mit Natur und Ressourcen.

Das Naturschutzgroßprojekt Senne und Teutoburger Wald als das größte Waldweideprojekt in Nordrhein-Westfalen und das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen mit dem neuen Klimaturm sollen unter dem Projektlabel "UR.LAND" miteinander verschmolzen werden. Der neu geplante Klimaturm bildet das verbindende Element. Geplant ist eine neuartige Symbiose von Tourismus, Museale Bildung und Naturerleben.
Zwischen Mensch, Natur, Landschaft und Klima bestehen enge und vielfältige Wechselbeziehungen sowohl in der historischen Betrachtung - UR-Land- als auch aktuell.
Um diese Wechselwirkung im "UR.LAND" zunächst museal nach neusten Methoden zu vermitteln und anschließend in der unmittelbar sich anschließenden Landschaft erlebbar zu machen, bietet der Projektstandort mit seinen Bausteinen einmalige Voraussetzungen.
Die Vermittlungschancen, die sich bei einer solchen intensiven Zusammenarbeit öffnen, sind enorm: Gebündelt werden die Einzelanliegen weitaus intensiver wahrgenommen als in getrennter Darstellung. Das Freilichtmuseum war schon sehr früh ein Lernort, der die Themen Umwelt und Vorgeschichte miteinander verbunden hat. Dieser Schwerpunkt wurde konsequent ausgebaut. Die strategische Ausrichtung liegt nicht nur in der optimalen räumlichen Lage des Museums unmittelbar am Naturschutzgroßprojekt Senne begründet. Es geht auch darum, dass Naturschutz besonders gut vermittelbar ist, wenn man erklärt, wie es zu unserer heutigen Kulturlandschaft gekommen ist.
Zu beachten ist, dass das unmittelbare Erleben von lebendigen Tieren wie Pferde, Rinder und Schafe freilaufend in einer Landschaft, die auch vom Besucher direkt durchwandert werden kann, ein enorm hohes Anziehungspotential haben.

Die Konzeption fügt sich ein in die touristischen Pläne im Kreisgebiet mit den Schwerpunktthemen Wandern, Gesundheit, Radfahren.
Die Lippe Tourismus & Marketing GmbH hat mit dem Kompetenzzentrum Wandern " WALK" eine Grundlage für die Professionalisierung der Wanderregion geschaffen. Erklärtes Ziel ist die Zertifizierung zur Qualitätswanderregion nach den Richtlinien des Deutschen Wanderverbandes. Zu jeder Wanderregion gehören attraktive Ziele für Wanderer und touristische Wanderer.

Die Summe der Aktivitäten ermöglicht es, ein touristisches Erlebnishighlight mit Infrastruktur zu entwickeln, in dem alle Attraktionen zu einem Projekt " UR.LAND" verbunden werden.

5. Projektgebiet Oerlinghausen und Umgebung
Inmitten eines der schönsten Abschnitte des Teutoburger Waldes liegt der Ort verkehrsmäßig außerordentlich günstig. Die Autobahnen A 2 und A 33 machen ihn für Gäste aus den Metropolregionen problemlos erreichbar - bis zur nächsten Autobahnauffahrt sind es maximal vier Kilometer. Gleichzeitig gelangt man vom Oberzentrum Bielefeld mit ICE Anschluss in nur 12 Minuten mit der halbstündig verkehrenden Regionalbahn nach Oerlinghausen; mit dem PKW dauert es ca. 25 Minuten. Als Tor zum "Land des Hermann" liegt die "Bergstadt" ideal.

Schon ihr malerischer, historisch gewachsener Ortskern mit alten Bürgervillen und Handwerkerhäusern lohnt einen Besuch. Der eigentliche touristische Reichtum Oerlinghausens liegt aber in den Attraktionen seiner unmittelbaren Umgebung: Das Archäologische Freilichtmuseum, das angrenzende Naturschutzgroßprojekt im Verein mit dem Höhenzug des Teutoburger Waldes und den unzähligen Wanderwegen und schließlich der südlich gelegene Segelflugplatz stellen ein anziehendes Gesamtensemble aus Erlebnis und Natur dar, das im Rahmen des Projekts - mit dem zu errichtenden Klimaturm im Zentrum - einheitlich gestaltet und vermarktet werden soll.

Das Freilichtmuseum dient als beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen in die Umgebung Oerlinghausens und darüber hinaus. Das gilt besonders für die Wanderwege durch das unmittelbar angrenzende Naturschutzgroßprojekt, dessen engere touristische Anbindung an das Freilichtmuseum ein zentraler Bestandteil ist. Die Umforstung von monotonen Nadelgehölzen hin zu naturnahem Laubwald ist hier weit fortgeschritten. Die Bedeutung dieses Projektgebietes wird auch durch das Interesse der NRW Stiftung an Förderung zur Sicherung von Flächen in nicht unbeträchtlicher Höhe dokumentiert. 2017 wurde ein erster, modern gestalteter Wanderweg eröffnet. Er bietet neben Schautafeln und diversen Rastmöglichkeiten auch spezielle Aussichtspunkte und führt direkt am Segelflugplatz vorbei. Besonderer Publikumsmagnet sind die Schottischen Hochlandrinder, die Wanderer beim Weiden beobachten können. Auch eine Beweidung mit historischen Tierrassen ist geplant. Der Kreis Lippe unternimmt derzeit erhebliche Anstrengungen für die Anerkennung als Qualitätswanderregion. Die Modernisierung und wachsende Attraktivität der heimischen Wanderlandschaft hat in Lippe oberste Priorität. Gerade erlebnisorientierte und zielgruppenangepasste Routen gilt es weiter zu entwickeln und überregional zu vermarkten.

6. Zielgruppenfokus und Einbindung in regionale Tourismusstrategien
Das Projekt ist konzeptionell und hinsichtlich seiner späteren Vermarktung konsequent zielgruppenorientiert und erfüllt auch damit die planerischen Vorgaben. Zum einen ist zu erwarten, dass der Klimaturm die Nachfrage des wichtigsten Besuchersegments - den Schulklassen - deutlich vergrößern wird. Zum anderen sind die geplanten Investitionen aber auch auf die touristischen Kernzielgruppen des Teutoburger Waldes zugeschnitten. Hier ist die demografisch wachsende Kohorte der aktiven und bodenständigen "Best Ager" aus der Generation 60 plus zu nennen sowie jüngere erwachsene Paare. Viele Menschen in diesen Gruppen sind naturverbunden und umweltbewusst. Die Kombination aus körperlicher Betätigung in reizvoller Landschaft und bildungs-/erlebnisorientierter Freizeitgestaltung steht bei ihnen hoch im Kurs. Das gilt immer mehr auch für jüngere Menschen. Allerdings setzen diese Zielgruppen verstärkt auf eine hohe Qualität der Angebote, wie sie etwa der technisch ausgeklügelte Klimaturm vorsieht. Auch die Nutzerfreundlichkeit der Wanderrouten rund um die Orte des Naturschutzgroßprojekts und die touristische Infrastruktur insgesamt - insbesondere im gastronomisch/gastgewerblichen Bereich - ist hierbei in den Blick zu nehmen.

Die Kopplung von Museum und Waldweideprojekt mit dem Klimaturm als sichtbarem Verbindungsglied kann die engen Zusammenhänge zwischen Menschheits- und Klimageschichte spannend aufbereiten und einem großen Publikum erschließen - zum Nutzen der Besucher, der heimischen Tourismuswirtschaft und der wirtschaftsnahen Infrastruktur.

Aktivtouristen, die es wegen der Naturschönheit von Teutoburger Wald und Senne in die Region zieht, werden das Museum im Zuge der engeren Kooperation eher wahrnehmen. Umgekehrt werden Besucher, die sich für Klimaturm und Museum interessieren, ihren Aufenthalt öfter mit einer Wanderung verbinden. Eingebunden in das hervorragend ausgebaute Wegenetz der Region dient der Klimaturm Bildungs- wie Wandertouristen als Dreh- und Angelpunkt zwischen dem Freilichtmuseum, den Waldweidegebieten, dem historischen Ortskern Oerlinghausens und dem international bekannten Segelflugplatz. Sie werden zusammen als geschlossene Einheit wahrgenommen, was ihren Tourismuswert deutlich vergrößert und zusätzliche Einnahmen für die Tourismuswirtschaft schafft.

Mit seinem themenübergreifenden Ansatz weist das Projekt "UR.LAND" mit seinem Hauptanziehungspunkt, dem Klimaturm, in die richtige Richtung. Es erfüllt, wie im Folgenden gezeigt wird, wesentliche Voraussetzungen für die Förderfähigkeit nach den GRW-Richtlinien und fügt sich ganz in die touristische Gesamtstrategie für die Region Teutoburger Wald und Nordrhein-Westfalens ein. Das Projekt setzt auf die Kooperation unterschiedlicher regionaler Akteure sowie ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit, es ist zielgruppenorientiert und damit marktgerecht ausgerichtet. Es erschließt wirtschaftliche Wertschöpfungspotenziale, indem es die regionalen Leistungsträger und KMU in die Planungen einbindet.

Insgesamt trägt das Projekt mit dem Klimaturm im Mittelpunkt wesentlich dazu bei, die touristische und wirtschaftsnahe Infrastruktur der Region zu verbessern, neue Arbeitsplätze zu schaffen und die Anziehungskraft Lippes als Erlebnis- und Erholungsraum zu stärken. Somit entspricht es auch der Tourismusstrategie Nordrhein-Westfalens, dessen Außenwahrnehmung als Urlaubsland zu fördern.

Das hier vorgestellte Projekt einer Verschmelzung von Freilichtmuseum und Naturschutzgroßprojekt im Projekt "UR.LAND", gebündelt im neuen Klimaturm, erfüllt zentrale Vorgaben der regionalen Tourismusstrategie und des Masterplans Nordrhein-Westfalen. Dieser ruft explizit zur Ausarbeitung innovativer, bildungsrelevanter Projekte auf. Gleichzeitig legt der Masterplan unter der Marke DEIN NORDRHEINWESTFALEN AKTIV großes Gewicht auf die Produktlinie Wandern. Der Region Teutoburger Wald wird ein besonderes Profil als Reiseziel für Aktivurlauber und Wanderer bescheinigt.

Der Masterplan regt zudem die Bildung partnerschaftlicher Netzwerke an, um Synergien herzustellen. Dies ist auch ein Kerngedanke dieses Projekts. Denn hierbei arbeiten das Freilichtmuseum, die Träger des Naturschutzprojekts, Kreis Lippe und Naturpark, der Landesverband Lippe, wissenschaftliche Einrichtungen, die Stadt Oerlinghausen und die Touristikstrategen der Region Teutoburger Wald Hand in Hand.

Der Masterplan drängt ferner auf die Entwicklung aussagekräftiger Tourismusmarken. Hierin liegt eine besondere Stärke des Projekts, denn es schärft unter dem Label "UR.LAND" das Profil der seit Jahren bekannten Marke "Land des Hermann" als Wander- und Erlebnisregion und fördert seine überregionale Strahlkraft.

7. Vorgehen/Zeitplan
Nach Beschluss durch den KT wird der Landrat in 2018 eine neue Organisationsform unter Beteiligung aller Partner aufstellen. Parallel werden die inhaltlichen Konzepte geschärft, Anträge auf Förderung und Finanzierung der Bausteine gestellt und die regionalwirtschaftlichen Effekte untersucht. Dabei arbeiten der Fachbereich Umwelt und Energie und die LTM GmbH Hand in Hand.

Die Gesamtlaufzeit der Realisierung des Projektes einschließlich der notwendigen Neubaumaßnahmen wird unter Einbindung aller Initiativen und Teilprojekte ca. drei Jahre dauern.

8. Wirtschaftliche Effekte des geplanten Projekts
Der Klimaturm und die intensive Zusammenarbeit von Freilichtmuseum und Naturschutzgroßprojekt unter dem Motto "UR.LAND" leisten einen starken Beitrag zum regionalen Entwicklungskonzept. Das Projekt liefert wichtige Impulse für eine nachhaltige Wirtschaftsförderung und den Ausbau einer wettbewerbsfähigen Tourismusinfrastruktur in Lippe. Die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen gehört zu seinen zentralen Zielsetzungen.
Gleich mehrere Branchen profitieren direkt oder indirekt von diesem Projekt. Mehrere Produzenten, z.B. ein Unternehmen der Branche regenerative Energien, zeigen großes Interesse für den Klimaturm als Forum für ihr Marketing. Unmittelbar beteiligt am Betrieb des Klimaturms sind die Stadtwerke Oerlinghausen mit ihrem landesweit bekannten Energiekonzept, das für die Kalt-Wärme-Kopplung verantwortlich zeichnet. Die Holzwirtschaft ist im Teutoburger Wald ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber. Schon jetzt ergänzen sich beim Waldweideprojekt die Forstwirtschaft und der Naturschutz hervorragend, was bekanntlich nicht überall der Fall ist. Die Zusammenführung von heutigem Museum und Waldweideprojekt in einer einheitlichen Projektstruktur mit neuer Rechtsform schafft eine Plattform für die Entwicklung neuer Konzepte, wie die Holzproduzenten auf die Anforderungen durch den Klimawandel reagieren und dabei ihre Wettbewerbssituation möglichst verbessern können.

Vor allem profitiert die Tourismuswirtschaft im Kreis Lippe von dem Projekt, je besser es gelingt, das Gesamtangebot in die regionale Wanderlandschaft einzubetten. Die innovative Verbindung von lebendiger Archäologie und Naturerlebnis, von Bildungs-, Erlebnis- und Wanderangeboten wird die Besucherzahlen nachhaltig steigern und höhere Einnahmen für den lippischen Fremdenverkehr generieren. Insbesondere das UR.LAND mit Klimaturm und seinem musealen Projektteil sowie die Stadt Oerlinghausen mit ihren gastronomischen und gastgewerblichen Betrieben werden einen Mehrwert verzeichnen, der auch dazu beitragen kann, laufende Betriebskosten zu refinanzieren.

Die Kombination eines Alleinstellungsmerkmals wie dem Klimaturm und dem Naturschutzgroßprojekt mit der Kernkompetenz Wandern liefert einen starken Wettbewerbsvorteil und wird das touristische Image Lippes als vielseitige Freizeitregion fördern. Die schon jetzt ausgezeichnete und laufend optimierte Wanderinfrastruktur in der Umgebung Oerlinghausens ergänzt das museale Angebot räumlich wie inhaltlich in idealer Weise. Die aufgezeigten Vorteile des Projekts für die regionale Wirtschaftsentwicklung und die Außenwahrnehmung Lippes sollten nicht ungenutzt bleiben.

gez. Andreas Kasper
Fraktionsvorsitzender
CDU-Kreistagsfraktion

gez. Henning Welslau
Fraktionsvorsitzender
SPD-Kreistagsfraktion

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