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CDU Lippe - Vortrag zum Thema "Gastronomie-Ampel"
Vom: 09.04.2014

Sinnvolle Verbraucher-Info oder moderner Pranger?

Wie sinnvoll ist sie, die „Gastro-Ampel“? Eine Zwischenbilanz zum Pilotprojekt „Kontrollbarometer in der Gastronomie“ und dem Nutzen für die Verbraucher zog Konrad Etteler, Lebensmittelkontrolleur, auf Einladung der CDU Lippe im „Sudhaus“ in Detmold.

Gastronomiebarometer

Gastredner und Gastgeber der Diskussionsveranstaltung zum Thema „Gastro-Ampel“ (v.li.) Konrad Etteler (Lebensmittelkontrolleur), Marc Fasse (CDU-Bürgermeisterkandidat Detmold), Friedrich Wilhelm Sundhoff (CDU-Detmold), Kerstin Vieregge (CDU-Kreisvorsitzende).

Vor einem Jahr ging das Pilotprojekt für die beiden NRW-Städte Duisburg und Bielefeld an den Start. Erfasst wurden zunächst lediglich Gastronomie-Betriebe – von Restaurants und Gaststätten über Imbissbetriebe bis hin zu Cafés und Eisdielen. Ins Kontrollbarometer flossen die Kontrolldaten der Lebensmittelüberwachung seit dem 1. Juli 2012 ein. Die Ergebnisse sind derzeit lediglich online zu sehen.

Endziel ist ein Aushang der letzten drei Kontrollen im Eingangsbereich der Betriebe, wo auf einer Skala von Null bis 80 mit einem Pfeil auf den Ampelfarben angezeigt wird, wie – so der Titel der Internetseite der Verbraucherzentrale NRW - „appetitlich“ es im Betrieb zugeht. Eingeteilt wird in  drei Bewertungs-Gruppen, je nach Zahl der festgestellten „Minus-Punkte“. Es gilt: je weniger Punkte, desto besser das Ergebnis. Grün (Null bis 40 Punkte), wenn die Anforderungen "erfüllt" sind, gelb (41 bis 60 Punkte), wenn die Anforderungen teilweise erfüllt werden und rot (61 bis 80 Punkte), wenn die Anforderungen nur unzureichend erfüllt werden.

Nach Ende der Pilotphase 2014 wird eine Auswertung erfolgen und entschieden, ob das ursprünglich als „Smiley“ ohne Rot-Gelb-Grün-Abstufung geplante Barometer auch auf andere Betriebsarten wie Fleischereien, Bäckereien, Metzgereien etc. übertragen und flächendeckend in NRW eingesetzt wird.

Was nach Transparenz für den Verbraucher aussieht, stellt sich nicht nur nach Meinung von Kai Buhrke, Geschäftsführer des lippischen Hotel und Gaststättenverbandes DEHOGA als „moderner Pranger für Betriebe“ dar. Gut gemeint, aber schlecht gemacht und irreführend ist auch das Fazit, das Lebensmittelkontrolleur Konrad Etteler an diesem Abend zur „Gastro-Ampel“ zog. Dazu Marc Fasse, Bürgermeisterkandidat der CDU Detmold: „Der Verbraucher geht davon aus, dass das Kontrollbarometer eine Hygienekontrolle ist und ausschließlich Auskunft über die Sauberkeit der Küche oder die Qualität des Essens gibt“. Dem ist aber nicht so, wie Etteler nach einer umfangreichen Einführung in die Aufgaben der Lebensmittelkontrolle, erläuterte.

Hauptkritikpunkt am Kontrollbarometer ist für ihn, dass „die Dokumentation überlastig“ sei. So müssen lebensmittelverarbeitende Betriebe von der Wareneingangskontrolle über die Temperaturkontrolle bis hin zur Kennzeichnung der Allergene eine Menge „Papier verwalten“. Auch Kerstin Vieregge, CDU Kreisvorsitzende befand: „Der Verbraucher möchte doch wissen, ob ein Betrieb sauber und ordentlich geführt wird und geht davon aus, dass die ‚Gastro-Ampel‘ ausschließlich hierüber Auskunft gibt“.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Betriebe keine Möglichkeit haben, in angemessener Zeit eine schlechte Beurteilung zu wandeln. Etteler zur Häufigkeit der Lebensmittelkontrollen: „Eine normale Speisegaststätte wird turnusmäßig alle 1,5 Jahre kontrolliert“. Eine schlechte Beurteilung, die beispielsweise aufgrund einer fehlenden Dokumentation oder – so DEHOGA-Lippe-Chef Buhrke – „einer losen Bodenfliese“ an der Gaststätten-Tür klebt, könnte das „Aus“ für so manchen Betrieb bedeuten. Buhrke brachte die Kritik an der „Gasto-Ampel“ auf den Punkt: „Betriebe werden damit zu Unrecht an den Pranger gestellt. Wir wollen keine ‚schwarzen Schafe‘ in unseren Reihen, die das wichtige Thema ‚Hygiene‘ nicht im Griff haben. Aber den mittelalterlichen Pranger wollen wir auch nicht. Hier gibt es noch erheblichen Diskussionsbedarf“.

Gastro-Ampel02

DEHOGA Lippe-Geschäftsführer Kai Buhrke:
"Unsere Gaststätten in Lippe sind sauber".

Den Verbraucher kann Buhrke gleichzeitig beruhigen: „Achtzig Prozent der getesteten Betriebe in den beiden Städten liegen im ‚grünen Bereich‘. Auch unsere Gaststätten in Lippe sind sauber. Man kann in Lippe beruhigt essen gehen“.

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