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CDU Lippe und Dr. Stefan Heinrich Berger zu Besuch in der Hochschule OWL
Vom: 11.05.2014

Politik trifft Wissenschaft

Das Hochschulfreiheitsgesetz ist bald Vergangenheit. Es soll auf Bestreben im Oktober durch das "Hochschulzukunftsgesetz" ersetzt werden. Die CDU Lippe mit der Kreisvorsitzenden Kerstin Vieregge, dem Landtagsabgeordneten Walter Kern und Dr. Stefan Heinrich Berger (MdL) aus Viersen fragten nach bei einem "Betroffenen“. Der Präsident der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Dr. Oliver Herrmann, informierte über die Bildungseinrichtung, ihren steilen Weg nach oben und wagte einen Ausblick in die Zukunft.

 CDU Lippe in Hochschule OWL

Hochschulzukunftsgesetz – das war das Thema bei einem Info-Gespräch in der Hochschule OWL mit (v.li.) Kerstin Vieregge (CDU-Kreisvorsitzende), Walter Kern (MdL), Dr. Stefan Heinrich Berger (MdL) und
Dr. Oliver Herrmann (Präsident der Hochschule OWL).

Herrmann, gebürtiger Lagenser, der nach beruflichen Stationen an den Universitäten Bielefeld, Paderborn und Kiel vor 3,5 Jahren in die Heimat zurückkehrte und die Leitung der Fachhochschule übernahm, liegt die Region Lippe und "seine" Fachhochschule am Herzen. Für Forschung, Lehre und dem "Spezialthema" der hiesigen Hochschule, nämlich der Verknüpfung von Forschung und Lehre mit der hiesigen Wirtschaft findet Herrmann - so Kern - "in Lippe einen guten Humus": inhabergeführte Unternehmen, die ihre Top-Mitarbeiter als Dozenten in der Hochschule einsetzen. Herrmann: "Die Zukunft der Hochschulen und Fachhochschulen liegt im Wissens- und Technologietransfer mit der Wirtschaft. Wir sind ein Paradebeispiel dafür, wie das gelingt".

So baute die Hochschule OWL als erste in Nordrhein-Westfalen ein "Science-to-Business- Center", in dem es heißt: Wissenschaft trifft Wirtschaft". Das war ein Erfolgsmodell, das nach Wiederholung ruft. Herrmann: "‘Wir doppeln derzeit genau dieses Gebäude eins zu eins und zwar mit null Euro öffentlichem Zuschuss". Im neu entstehenden Haus wird das Fraunhofer Anwendungszentrum, das bereits seit 2012 an der Fachhochschule angesiedelt ist, demnächst mit 45 Mitarbeitern vertreten sein. Hinzu kommen zwei weitere ausgewählte Unternehmen.

Forschungsschwerpunkte der Hochschule OWL sind die Lebensmitteltechnologie sowie die  industrielle Automatisierungstechnik. Die Einrichtung arbeitet mit einem Grundhaushalt von 34 Millionen Euro, hinzu kommen 8,3 Millionen Euro Drittmittel – „sechs Millionen davon im wettbewerblichen Verfahren gewonnen“, so Herrmann.

Der Trend, dass Studienanfänger sich vermehrt für ein Fachhochschulstudium entscheiden, war ausschlaggebend für diesen und weitere geplante Neubauten. Herrmann: "Vor wenigen Jahren war das Verhältnis Uni zu Fachhochschule bei Studienanfängern 70 zu 30. Heute liegen wir bei 60 zu 40. In den nächsten dreißig Jahren wird diese Entwicklung so weitergehen". Die Zahlen der Hochschule OWL der letzten Jahre belegen die Prognose. In 2007 verzeichnete die Hochschule auf dem Campus Lemgo 1.500 Studierende. "Derzeit haben wir rund 3.800 Studierende an diesem Standort", so Herrmann. „Insgesamt sind es an allen Standorten Lemgo, Detmold, Höxter und dem Studienort Warburg momentan 6.600 Studierende.“ Allein das Jahr 2011 bescherte der Einrichtung 1.900 Studienanfänger mit dem Effekt, dass Vorlesungen, an denen bis zu 600 Studierende gleichzeitig teilnahmen, in die benachbarte Lipperlandhalle verlegt werden mussten.

Die Frage der CDU-Kreisvorsitzenden Kerstin Vieregge: "Ist denn für die Studierenden weiterhin genügend Platz da?" konnte Herrmann für die nahe Zukunft bejahen. Im August 2014 wird das neue Gebäude fertig gestellt. Außerdem sind Investitionen in Bauwerke von weiteren 55 Millionen Euro in Lemgo geplant. Dazu Herrmann: "Die Zusammenarbeit mit der Stadt Lemgo ist herausragend gut". Lemgo habe erkannt, dass die Hochschule ein Wirtschaftsfaktor und Wissensvorsprung für die Region ist.

Dazu Walter Kern: "Die Zusammenarbeit von Unis, Fachhochschulen und Firmen wird in NRW noch völlig unterschätzt im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung“.

Das derzeit geltende Hochschulfreiheitsgesetz, dass - wie der Name es impliziert - den Hochschulen und Fachhochschulen eine weitestgehende Selbstbestimmung garantiert, ist für Dr. Oliver Herrmann daher "das beste Hochschulgesetz". Gleichzeitig sei es "das Handwerkszeug" dafür, dass Hochschulen und Fachhochschulen sich in ihrer Entwicklung verbessert haben, den doppelten Abitur-Jahrgang "in ruhigem Lauf", so Herrmann für seine Einrichtung, verkraften konnten und die Hochschule OWL Bauaktivitäten realisieren und sich am Energiespardorf Dörentrup beteiligen konnte.

Trotz hoher Zahl der Studierenden liege der Zufriedenheitsgrad daher nach einer der jüngsten Umfragen unter den Studierenden deutlich über 90 Prozent.

Dr. Stefan Heinrich Berger (MdL, CDU-Mitglied und Sprecher im Ausschuss für Innovation, Wissenschaft und Forschung)) sieht diese Welt der prosperierenden Hochschullandschaft bedroht durch das Hochschulzukunftsgesetz, das er als "Hochschul-Entmündigungsgesetz" definiert. "Diese Dynamiken, wie wir sie hier sehen, werden abbrechen. Das Gesetz ermöglicht es, direkt in Vorgänge der Hochschule einzugreifen", so Berger. Er  stellte die Frage: "Wie sollen in NRW 30 Hochschulen künftig zentral statt wie bisher dezentral gesteuert werden? In Bayern mag das noch funktionieren. Aber dort gibt es eine ganz andere Finanzkraft".

Bislang steuerten Präsidium und Hochschulrat die Geschicke einer Hochschule. Zukünftig seien die Hochschulen von der Willkür einzelner Referenten in Ministerien abhängig. Es werde, so Berger, daher zukünftig auch schwierig werden, Mitglieder für den Hochschulrat zu gewinnen. Dieser ist in der Hochschule OWL komplett extern besetzt. Herrmann: „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht“.

Beim Hochschulzukunftsgesetz sieht Dr. Oliver Herrmann vor allem Nachbesserungsbedarf bei dem Paragraphen 76b, in dem es einleitend heißt: „Die Hochschule nimmt ihre Aufgaben unter der Rechtsaufsicht des Ministeriums wahr“. Herrmann: „Die Entscheidungsmöglichkeiten der Hochschule werden geringer. Die Motivation zum Engagement im beispielsweise Hochschulrat wird schwinden“. Abschließend bedauerte er, dass der Duktus des neuen Gesetzes nicht auf der Stärkung von Forschung und Lehre liege und stellte die Frage: „Warum tauschen wir das bisherige Hochschulgesetz, ein Top-Modell ohne Prüfung aus?“

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